Kartographische Nachrichten

 

 

 



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Digitalisierung – Verortung – Recherche | Neue Perspektiven für historische Karten

Digitization – Placing – Search | New perspectives for old maps

Andreas Christoph (Jena), Michael Ammon (Darmstadt), Wolfgang Crom (Berlin), Holger Przibytzin (Münster)

Sammlungsgeschichten, Provenienzrecherchen, die Analyse von Stilmerkmalen und die Rekonstruktion historischer
Herstellungspraktiken liefern wichtige Erkenntnisse über die in Bibliotheken, Archiven und Museen aufbewahrten
Kartenmaterialien. Die aktuellen Formen der Verfügbarmachung historischer Kartenbestände mit ihren technischen
Möglichkeiten der Bestandsvisualisierung und Informationsvernetzung erlauben einen ortsungebundenen und
damit uneingeschränkten Zugriff auf die historischen Kartenmaterialien. Die Ausschöpfung digitaler Werkzeuge
zur Analyse der Re-Konstruktion und Um-Ordnung der Welt, die speziell in den Kartenbeständen des 18. und
19.¥Jahrhunderts ersichtlich wird, steht in vielerlei Hinsicht aber erst am Anfang. Vorgestellt werden sollen nun
vier dieser Projekte in Deutschland, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Thematik der Visualisierung
und virtuellen Erschließung historischer Kartenbestände annähern.

The history of collections, the research on the provenance, the analysis of stylistic features and the reconstruction
of historical manufacturing techniques provide important information on map materials preserved in libraries,
archives, and museums. The current technical visualization possibilities of historical map holdings and the
information networking allow an online and therefore unrestricted access to historical map materials. The use of
digital tools for the analysis of the Re-Construction and Re-Structuring of the world, which is especially visible in
the map holdings of the 18th and 19th centuries, is, however, in many respects, only at its beginning. Presented are
four of these projects in Germany, which from different perspectives deal with the topic of visualization and virtually
classify and make available historical map holdings.

 

 

 

Die Kombination von geographischen Daten verschiedener Bezugsräume mittels Flächeninterpolation – Methoden für Datenjournalisten und Datenjournalistinnen

Combining Geographic Data for different Reporting Zones by means of Areal Interpolation – Methods for Data-driven Journalism

Beate Tomio, Jochen Schiewe, Julius Tröger; Hamburg und Berlin

Choroplethenkarten stellen auch in den Medien, z. B. zur Visualisierung von Wahlergebnissen, eine zentrale
Darstellungsmethode dar. Von besonderem Interesse für den datengetriebenen Journalismus ist hierbei die Kombination
verschiedener Datensätze zur Darstellung von Zusammenhängen, beispielsweise zwischen Einkommen
und Wahlergebnissen. Da diese Daten oftmals für verschiedene Bezugseinheiten vorliegen, ist eine räumliche
Reorganisation notwendig. Hierzu werden Datensätze aus Quellzonen, z. B. den 138 Bezirksregionen Berlins, auf
Zielzonen, z. B. die 1709 Wahlbezirke, transformiert. In diesem Artikel wird am Testfall Berlin der Anwendungsfall
der Flächeninterpolation für Datenjournalisten und Datenjournalistinnen beschrieben sowie eine Auswahl an
geeigneten Methoden und ein Grobkonzept einer Software zur Flächeninterpolation, die sich in Entwicklung
befindet, präsentiert.

Choropleth maps also are a crucial presentation method in the media, e. g ., to visualize election results. For
data-driven journalism, the combination of different data sets is of particular interest to show correlations, for
example between income and election results. Since these data are often available for different reporting zones,
a spatial reorganization is necessary. For this purpose, records from source zones, e. g., the 138 district regions
of Berlin, are mapped on target zones, e. g., the 1709 electoral districts of Berlin. In this article we cover the
application of areal interpolation for data journalists by means of the test case Berlin. We present a selection of
appropriate methods and a basic concept of a software for areal interpolation.

Räumliches Handeln und Entscheiden in der Praxis: Empirische Studie über die Darstellung von Kommunalfinanzen in Karten

Spatial action theory and spatial decision-making in application: empirical study about the cartographic visualization of a local budget plan

Anja Reinermann-Matatko, Bonn

Das Handlungsfeld „Kommunalfinanzen“ verbindet verschiedene Akteure: Kommunalpolitiker, Bürger und Verwaltung.
Über eine Herleitung der Raumwirksamkeit von kommunalen Haushaltsmitteln wird der Kommunalhaushalt
der Stadt Trier georeferenziert. Die drei Akteursgruppen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Intentionen und
somit der Schritte der visuell-kognitiven Verarbeitung bei der Informationsentnahme. In einer Online-Befragung
wurden Entscheidungsmotive der drei Gruppen sowie deren Kenntnisse hinsichtlich der räumlichen Strukturen
erfasst. Die subjektive Entscheidungsrelevanz des Kriteriums „Raum“ konnte dabei nachgewiesen werden. Ein an
die Online-Befragung anschließendes Blickbewegungsexperiment konnte zeigen, dass in Bezug auf die subjektive
Wahrnehmung der Probanden sowie die Parameter Fixationsdauer und -anzahl der Karteninhalt relevanter ist
als die Komplexität der Darstellung.

The action field ''local finances'' unites different actor groups: local politicians, citizens and administration. Starting
from a theory of spatial relevance of local expenditures, the local budget plan of the city of Trier has been
georeferenced. The three actor groups have different intentions and therefore different approaches of visual-cognitive
information retrieval. An online survey revealed their decision criteria. Also, their knowledge about spatial
structures was analyzed. The survey could prove the relevance of the decision criterion ''space''. The eye tracking
study could show that the interest in map content was more relevant for the evaluation and perception of a map
(regarding subjective feelings, fixation duration and fixation count) than the complexity of visualization

Automatisierte geometrische Anpassung von Kataster und topographischen Datensätzen

Automated Geometric Adjustment of Cadastral and Topographical Databases

Malte Schulze, Frank Thiemann; Hannover

Dieser Beitrag beschreibt einen Algorithmus zur gegenseitigen geometrischen Anpassung von semantisch ähnlichen Datensätzen am Beispiel der Harmonisierung von Landnutzungsdaten aus ALKIS und dem ATKIS-Basis-DLM. Der Algorithmus beseitigt iterativ die geometrischen Widersprüche zwischen den Datensätzen. Zunächst werden
anhand von geometrischen Schwellenwerten potenzielle Verknüpfungen zwischen den Datensätzen erzeugt. Mithilfe von topologischen, geometrischen und semantischen Kriterien werden diese Verknüpfungen gefiltert und die Widersprüche zwischen den Datensätzen formuliert. Diese werden durch eine bedingte Ausgleichung beseitigt. Über das stochastische Modell lässt sich der Grad der Anpassung der Datensätze steuern. Das Ergebnis sind ausgeglichene Koordinaten und Verschiebungsvektoren. Nach der Ausgleichung ist eine Filterung der Verschiebungsvektoren notwendig, um fehlerhafte Verknüpfungen aufzudecken. Nach deren Entfernung aus dem Modell ist eine weitere Ausgleichung erforderlich.

This article presents an algorithm for adaptation of semantically similar databases using the example of land-use data from German cadastral and topographic database. It removes geometric inconsistencies between the databases iteratively by building potential correspondences based on a distance threshold. Using topological, geo metric and semantic criteria, these correspondences are filtered and used for modelling inconsistencies between the databases. These inconsistencies are minimized using a least-squares adjustment process with a complete stochastic model that controls the amount of adaptation. Results of the process are adjusted coordinates und adjustment vectors which have to be filtered to detect outlying adjustments and remove their correspondences. After that a new iteration of the adjustment process has to be calculated.