Community-Oriented Primary Care (COPC) in der City of Tshwane (Südafrika) – Webmapping für eine responsive, dynamische Gesundheitsfürsorgeeogeographie – Über Chancen und Herausforderungen für die kartographische Forschung

Community-Oriented Primary Care (COPC) in the City of Tshwane (South Africa) – A Web Map Application in Support of Responsive and Dynamic Health Care

Lilija Friesen, Gertrud Schaab, Karlsruhe,
Serena Coetzee, Victoria Rautenbach, Tessa Marcus, Jannie Hugo (Pretoria, South Africa)

In einem Pilotprojekt zur Planung und Implementierung von Community-Oriented Primary Care (COPC) wird in der City of Tshwane (Südafrika) eine speziell angefertigte mobile Datenerfassungsanwendung eingesetzt. Webreports präsentieren die Daten in Form von Tabellen, Graphiken und einfachen Positionskarten.  Andere thematische Karten wurden jedoch bislang noch nicht generiert und eingesetzt. Entsprechend wird eine Machbarkeitsstudie zu einer Webmapping-Anwendung beschrieben, welche die COPC-Daten anhand unterschiedlicher kartographischer Repräsentationsformen visualisiert. Um raumzeitliche Muster und Korrelationen im täglich wachsenden Datensatz aufzudecken, kann der Nutzer zwischen Flächenkartogramm-Darstellungen, solchen mit gegliederten Kreisdiagrammen oder einer Kombination aus beiden wählen. Dabei werden die Daten auf administrative Einheiten oder regelmäßige Gitterzellen aggregiert  dargestellt. Betrachtet man das Kartenbild im größeren Maßstab, passt sich die Aggregationsstufe automatisch an. Das Setzen eines Schwellenwerts stellt dabei den Datenschutz sicher. Demgegenüber ermöglichen es Kartendarstellungen mit „Beziehungsnetzen“, die Verbindungen zwischen von Gesundheitsarbeitern besuchten Haushalten und den zugehörigen Gesundheitsposten für frei wählbare Zeitabschnitte aufzuzeigen. Mit den Web-Karten werden die in COPC  Involvierten befähigt, die Gesundheitsfürsorge dynamisch an die Komplexität der Bedürfnisse anzupassen. Damit stellt die Webmapping-Anwendung eine  wertvolle Ergänzung zur mobilen Anwendung und den Berichten dar, da sie zu einer effektiveren und effizienteren Bereitstellung von Services, die jeweils den lokalen Bedürfnissen entsprechen, beitragen kann.

A purpose-built mobile data collection application is used to plan and implement community-oriented primary care (COPC) in a pilot project in the City of Tshwane (South Africa). Web reports present the data in the form of tables, graphs and point maps, but other types of thematic maps have not yet been  implemented. We describe a proof-of-concept web map application that presents the COPC data in different cartographic representations. To reveal spatio-temporal patterns and correlations in the daily growing dataset, the user can choose between choropleth maps, segmented proportional circle maps, or a  combination of these. The data is shown aggregated by administrative unit or by regular grid cell. As the user zooms in, the aggregation level automatically  changes to smaller aggregation units. The setting of a threshold ensures data privacy protection. Spider diagrams link households visited by community health workers during a user-specified period to the sending clinic. The web maps can empower those involved in COPC to dynamically tailor health care provision to the complexity of people’s health needs. It is a valuable addition to the mobile application and web reports, and could contribute to more effective and efficient service delivery to meet the specificity of localized needs.

Segeberg 1600 – Eine Stadtrekonstruktion in Virtual Reality

Segeberg 1600 – Reconstruction of a Town in Virtual Reality

Thomas P. Kersten, Simon Deggim, Felix Tschirschwitz, Maren Lindstaedt,Hamburg,
Nils Hinrichsen, Bad Segeberg

Die 3D-Rekonstruktion historischer Gebäude und Städte bietet nicht nur die Gelegenheit, sich mit der Geschichte der entsprechenden Objekte und deren Entwicklung bzw. Veränderung über die Jahrhunderte auseinanderzusetzen, sondern erlaubt auch die intuitive Präsentation für die Öffentlichkeit. Digitale Visualisierungen von historischen Objekten erlauben einerseits einen natürlicheren Blick auf deren Geschichte, aber anderseits zeigen sie  auch Informationen bzw. Blickwinkel, die in einer realen Welt nicht vorhanden bzw. nicht möglich sind. Neue Präsentationsmöglichkeiten wie z. B. das Virtual-Reality-(VR)-System  HTC Vive können heute eingesetzt werden, um Informationen in einer anderen Dimension zu verbreiten und den Zugriff zu vereinfachen, in dem die Position des Anwenders von einem Zuhörenden und Schauenden zu einem Agierenden als integrierter Teil einer interaktiven  Situation umgewandelt wird. Im Allgemeinen stellt diese Methode eine Kombination von Ausbildung (Education) und Unterhaltung (Entertainment) dar, die in diesem Zusammenhang auch mit dem Begriff „edutainment“ oder „gamification“ bezeichnet wird (Reinhardt 2007), was in der Bildungswissenschaft als Motivation zum Lernen verstanden wird, in dem kompetitive Elemente als entsprechende Herausforderungen in die Szenerie eingebaut werden. Es ist somit ein Schritt weg vom Konsum hin zum Erleben bzw. Erfahren von Information, was man wortwörtlich als „lebende Geschichte“ interpretieren darf. In diesem Beitrag wird die Bearbeitung einer 3D-Rekonstruktion
der beiden Städte Segeberg und Gieschenhagen (heute zusammengeschlossen als Bad Segeberg) in Schleswig-Holstein in der Frühen Neuzeit um 1600 präsentiert. Die Konvertierung der historischen Landschaft und der rekonstruierten virtuellen Stadtmodelle in eine interaktive VR-Applikation wird beschrieben. Die Stadtrekonstruktion basiert auf einem aktuellen, aber angepassten digitalen Geländemodell, auf 3D-Vermessungsdaten erhaltener Gebäude und auf historischen Quellen wie Zeichnungen, perspektivischen Ansichten sowie schriftlichen Berichten aus dem Zeitraum. Die gesamten Datensätze wurden zu einer begehbaren virtuellen Welt kombiniert, die eine Fläche von 3 km² umfasst.

The 3-D reconstruction of historic buildings and cities offers an opportunity to experience the history of relevant objects and their development over the centuries. Digital visualizations of such historic objects allow for a more natural view of history as well as showing information that is not possible in a real world setting. New presentation forms, such as the virtual reality (VR) system HTC Vive, can be used to disseminate information in another dimension
and simplify the access by changng the user’s viewpoint from a listener and viewer into being an integrated part of an interactive situation. In general, this approach is a combination of education and entertainment, also known as “edutainment” or “gamification” (Reinhardt 2007), a term used in the education sector when describing where motivation to learn is encouraged through adding a competitive element. It is thus a step away from simple consumption of information towards experiencing information and a more literal interpretation of “living history”. In this contribution, we present the development of a 3-D reconstruction of the two towns Segeberg and Gieschenhagen (today: Bad Segeberg) in Schleswig-Holstein, Germany in the Early Modern Age around 1600. The historic landscape and its conversion from a reconstructed virtual town model into an interactive VR application is also described. The reconstruction is based on a recent digital terrain model as well as survey data of surviving buildings, historic visual information based on historic drawings and written accounts from that era. All datasets are combined to a single walkable virtual world that spans approximately 3 km².

Erreichbarkeit durch die Polizei – Kennzahlen und Karten für Deutschland, basierend auf einer kleinräumigen, flächendeckenden GIS-Erreichbarkeitsanalyse

Accessibility by Police – Data and Maps for Germany Based on a Smallscale Nationwide GIS Accessibility Analysis

Stefan Neumeier, Braunschweig

Die staatlichen Organe zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und hier insbesondere die Landespolizeien sind ein wichtiger Teilbereich der Daseinsvorsorge. Im Rahmen des Diskurses zum demografischen Wandel wird oftmals behauptet, dass in den ländlichen Räumen Deutschlands die flächendeckende, zeitnahe Erreichbarkeit durch die Polizei nicht mehr hinreichend gewährleistet ist. Daten, die diese Annahme stützen oder widerlegen, gibt es jedoch kaum. Um eine Datengrundlage für die Diskussion zur Erreichbarkeit durch die Polizei zu schaffen, wurde die Erreichbarkeit durch die Landespolizeien für Deutschland anhand eines GIS-Erreichbarkeitsmodells analysiert. Die Ergebnisse geben kleinräumig unterhalb der administrativen Ebene der Gemeinden und flächendeckend einen Hinweis darauf, wo in Deutschland die Erreichbarkeit bereits vergleichsweise problematisch ist und wo Revierschließungen die Situation weiter verschärfen könnten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich in großen Teilen der ländlichen Räume in Rheinland-Pfalz, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern die Erreichbarkeit durch die Polizei als suboptimal darstellt.

The national security authorities responsible for public safety and especially the federal polices are an important part of the basic services. Within the discourse on demographic change it is often said that in Germany, especially in the rural areas, the nationwide and immediate accessibility by police is not guaranteed anymore. However, as data that support or refute this assumption are scarce the accessibility by the federal polices in Germany was analyzed based on a GIS accessibility model. The analysis results reveal nationwide and small scale – below the administrative level of the communities – where in Germany the accessibility by the police is already suboptimal and where further closures of police offices would be problematic. The results allow to conclude that in great parts of the rural areas in Rhineland-Palatinate, Mecklenburg-West Pomerania, Brandenburg, Saxony-Anhalt and Bavaria the accessibility by police is suboptimal.

Die fortbestehende Bedeutung von Herbert Bayers World Geo-Graphic Atlas von 1953

The Continued Relevance of Herbert Bayer’s 1953 World Geo-Graphic Atlas

Francis Harvey, Leipzig

In ihrer jahrhundertlangen Entwicklung passen sich moderne Atlanten in Form und Format immer besser an gesellschaftliche Entwicklungen und Bedürfnisse an. In diesem Kontext greife ich einen bedeutenden Atlas des zwanzigsten Jahrhunderts auf. Realisiert von einem Nicht-Kartografen, dem Bauhausschüler und -lehrer und später international beachteten Künstler und Designer Herbert Bayer (1900–1985), soll er dazu dienen, die heute noch relevante Erneuerung der Konzepte von Atlanten aufzuzeigen. Unter Informationsdesignern gilt er als beispielhafte Entwicklung des späteren Funktionalismus des Bauhauses. In diesem Sinne scheint es für die Kartographie angebracht, diesen Atlas noch einmal hinsichtlich seiner Relevanz für die Weiterentwicklung sowohl heutiger Atlanten als auch der Kartographie zu betrachten.

In the long development over hundreds of years of modern atlases, they have continuously adapted their form and format to societal developments and needs. In this context, I take up an important atlas of the Twentieth Century. Created by a non-cartographer, the Bauhaus student and instructor and later internationally renowned artist and designer Herbert Bayer (1900–1985), it serves to show the still relevant renewal of atlas concepts. Among information
designers it is considered an exemplary development of late-Bauhaus functionalism. In this sense, it seems suitable to take up this atlas once again in regards to its relevance for the continued development of contemporary atlases and cartography.