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Die Berechnung von Farbdistanz in Choroplethenkarten mit sequenziellen Farben – Eine Fallstudie mit ColorBrewer 2.0

Calculating Colour Distance on Choropleth Maps with Sequential Colours – A Case Study with Color Brewer 2.0

Alžběta Brychtová and Arzu Çöltekin, Zurich (Switzerland)

In diesem Beitrag wird eine Vorgehensweise zur Berechnung der Farbmetrik ΔE00 vorgestellt, die aus benachbarter Fachliteratur der Blick- und Wahrnehmungsforschung abgeleitet ist. Bereits vorausgehende empirische Studien deuten darauf hin, dass hinter dieser Metrik ein zuverlässiges Verfahren steht, das kartographische Gestaltungsüberlegungen unterstützen kann (Brychtová und Çöltekin 2015; 2016). In diesen vorausgehenden Studien wurde gezeigt, dass die Erhöhung von ΔE00-Werten das Unterscheiden von zwei Farben in sequenziellen und qualitativen Farbschemen verbessert. Dabei wurde auch beobachtet, dass Farbdistanz (ΔE00 = 10) hinsichtlich gleicher und unterschiedlicher Bewertung zweier Farben funktioniert, auch wenn die verglichenen Farben (räumlich) weit auseinander liegen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird in dieser Studie eine Auswahl an Farben untersucht, die den weit verbreiteten Farbempfehlungen des Online-Tools ColorBrewer 2.0 entnommen sind. Diese Untersuchung berücksichtigt den Schwellwert ΔE00 = 10 als minimal sicher wahrnehmbare Farbdistanz. Die Resultate zeigen, dass die meisten untersuchten Farben dem Farbdistanzschwellwert entsprechen oder über ihm liegen. Es gibt jedoch auch Farbdistanzen, die beachtlich unter dem Schwellwert liegen. Daraus ist abzuleiten, dass manche weit verbreiteten Farbschemen zu optimieren sind, was weitere empirische Studien erfordert.

In this paper, we first present a procedure derived from related vision and perception literature to calculate the colour metric ΔE00, as our previous empirical research let us believe that this is a reliable metric that can be useful in cartographic design decisions (Brychtová and Çöltekin, 2015; 2016). In earlier work, we demonstrated that increasing ΔE00 values consistently improves the human judgement of whether two colours are the same or different both with sequential and qualitative schemes. Furthermore, we observed that colour distance ΔE00=10 ‘works’ in terms of same/different judgements for two colours, even if the compared colours are (spatially) far apart. Using this knowledge from previous work of others as well as our previous own work, we evaluate a subset of colours used in the well-known online colour recommender ColorBrewer 2.0 against ΔE00 = 10 threshold as a minimum perceptually safe colour distance. The results of the evaluation showed that overall, majority of the evaluated colours are equal to or larger than the perceptually safe ΔE00 = 10, however, there are also colour distances that are considerably lower. These findings suggest that some widely adopted colour schemes might not be ideal under some circumstances, and call for more research.

 

 

Die Wahrnehmung und Schätzung von Distanzen in topographischen Karten werden nicht durch Gitter verzerrt

The Perception and Estimation of Distances in Topographic Maps Are Not Distorted by Grids

Anne-Kathrin Bestgen, Dennis Edler, Anna Ratmer, Frank Dickmann; Bochum

Distanzschätzung ist ein grundlegendes Beispiel, wie räumliche Informationen in Karten genutzt werden können. Die Schätzung von korrekten Distanzen ist von großer Bedeutung für die Orientierungs- und Navigationsleistung. Aus diesem Grund verfügen die meisten Karten über Maßstabbalken als grafisches Hilfsmittel für die Distanzschätzung. Für die Schätzung von Distanzen ist bekannt, dass es zu einer Überschätzung der Distanz zwischen zwei Lokalisationen kommt, wenn der Raum dazwischen durch Barrieren unterbrochen ist. Eine regelmäßige Unterbrechung einer topographischen Karte ist durch den Einsatz von Gittern, als strukturierendes Element, gegeben. Gitter dienen in Karten als Suchgitter und zur Visualisierung der Koordinatenlinien. Bis jetzt ist jedoch nicht bekannt, ob Gitter, die in topographische Karten integriert sind, einen Effekt auf Distanzschätzungen haben. Es besteht die Möglichkeit, dass das Gitter als zusätzliches Kartenelement eine unterbrechende Wirkung hat („Clutter“-Wirkung), die sich auf den Scan-Prozess und damit auch auf die Wahrnehmung einer Distanz auswirken könnte. Aus diesem Grund wurden mithilfe des Tobii-TX300-Eye-Trackers Augenbewegungen während der Schätzung einer Distanz zwischen zwei Objektpositionen auf einer topographischen Karte erfasst. Zur Überprüfung des Effekts von Gittern wurden den Probanden Karten mit oder ohne Gitter präsentiert. Die Daten der behavioralen Auswertung wie auch die Eye-Tracking Daten zeigen, dass Gitter keinen Einfluss auf die Distanzschätzung haben und somit nicht als Clutter-erzeugender Faktor angesehen werden müssen.

Estimating distances is a basic example of how to use spatial information represented in maps. Estimating a distance correctly is highly important for a proper orientation and navigation performance. As graphical support measures, most maps are provided with scale bars. It is known that distances between two locations are overestimated if barriers lie in-between. A regular as well as structuring division of a topographic map is achieved by using grids. In cartography, grids serve as a search tool and/or may also be used to better reference coordinate systems. Yet, it is not known how map-based distance estimation is affected by the integration of grids. Grids could lead to an interruption due to the additional structuring map information (map cluttering), which might further affect the scan process and perception of a distance. Therefore, eye-movements were measured in an experimental study. The eye-movement was registered with a Tobii TX300 eye-tracker while participants had to estimate the distance between two object-locations in a topographic map. Maps were either presented with or without grids. Behavioural data (on distance estimation performance) as well as eye-movement data reveal that grids have no effect on the perception and estimation of distances. Thus, grids can be excluded as clutter producing factors.

Eine weitere Perspektive auf die Kontroverse zur Peters-Projektion – Empirische Forschung zu Erdkarten und Globen

Another Perspective on the Peters Projection Controversy – Empirical Research on World Maps and Globes

Florian Hruby; Mexiko City/Vienna

Von den rund 250 bekannten Kartenprojektionen finden nur wenige Eingang in die Praxis. Welche Projektionen am
geeignetsten sind, ist umstritten. Dieser Streitfrage wendet sich vorliegender Beitrag anhand der Diskussion um
die Peters-Projektion zu. Eine Zusammenfassung dieser Debatte zeigt, dass das kartographische Wissen zu Erdkarten
und Globen Lücken aufweist, etwa fehlende empirische Begründung. Während an Beispielen der Kartographiegeschichte
illustriert werden kann, dass sich wesentliche Aspekte zum Verständnis von Erdkarten und Globen
bereits vor Jahrhunderten vorweggenommen finden, wurden in den vergangenen Jahren auch empirische Studien
zum Thema veröffentlicht. Diese legen nahe, dass die Erstellung einer Erdkarte nicht nur eine Frage der Projektion
ist. Auch die Kartenränder und eine kontinuierliche Darstellung am Globus beeinflussen das Wissen, welches
kartographische NutzerInnen entwickeln.

Today, we can choose between approximately 250 map projections. However, cartographic practice is dominated
by just a few of them, and constant discussion is held on the most suitable way of mapping the world. In this
paper, we will approach this discussion via the Peters projection controversy. A review of this controversy will
allow us to highlight several shortcomings inherent to the current discourse on world maps and globes by mainstream
cartography, among them a lack of empirical research. Drawing upon evidence from cartographic history,
I will show that main aspects for a comprehensive analysis were already considered by ancient mapmakers.
I will also summarize different viewpoints empirical research can take on globes and maps. As we shall see from
this discussion, designing a world map is not only an issue of projection. Also map edges and seamless visualization
on a globe shape the user’s spatial mind.

Visualisierungen als Bestandteil von Online-Nachrichten — und deren Auswirkung auf wahrgenommene Glaubwürdigkeit

Visualisations in Online News — and Their Effect on Perceived Credibility

Sebastian Meier, Potsdam

Über die letzten Jahre hat der Stellenwert von Visualisierungen, speziell die Darstellungen von räumlichen Daten, im Kontext des Online-Journalismus kontinuierlich zugenommen. Viele Forschungsprojekte beschäftigen sich mit neuen Technologien und Methoden für Visualisierungen im journalistischen Kontext. Bisher gibt es aber nur wenige Arbeiten, die sich mit den möglichen Wechselwirkungen beschäftigen. Im Rahmen dieses Beitrags beschäftigen wir uns mit einer möglichen Wechselwirkung: der wahrgenommenen Glaubwürdigkeit. Die Dringlichkeit des Forschungsbedarfs an dieser Schnittstelle sei unterstrichen, indem eine vorläufige Studie zum Einfluss von Visualisierungen auf die wahrgenommene Glaubwürdigkeit von Online-Nachrichten präsentiert wird. Hierdurch soll ein erster Blick auf die möglichen Wechselwirkungen und deren Konsequenzen geworfen werden.

Over the last few years, data visualization, especially the visualization of spatial data, has become of ever-increasing importance in modern online journalism. While there is a broad range of research projects that focus on developing new methods, techniques, and implementations, empirical analysis of the potential implications of this trend is still rare. In this paper, the potential influence of visualizations in online journalism is in the focus: perceived credibility. The need for such empirical research is emphasized by presenting a preliminary quantitative study that assesses the impact of maps and information visualization on the perceived credibility of online news articles.

Kartierung von Emotionen: Empirische Experimente zu Kraftorten

Mapping Emotions: Empirical Experiments on Power Places

Alenka Poplin; Iowa State University, USA

Das übergeordnete Ziel dieses Beitrags ist die Erkundung des Konzeptes von Orten sowie die Emotionen, die zu bestimmten Orten gefühlt wurden. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf Kraftorte gelegt – Orte, an denen Menschen neue Energie schöpfen, zur Ruhe kommen und besondere Emotionen spüren. Das dargestellte Projekt basiert auf einer Abfolge von Kartierexperimenten, die im Stadtgebiet Hamburgs durchgeführt wurden. Dabei wurden Probanden gebeten, ihre Kraftorte sowie dazugehörige Besonderheiten und aufkommende Emotionen anzugeben. Insgesamt wurden 191 Kraftorte mit Beschreibungen zur physischen Beschaffenheit sowie erweckten Emotionen erfasst. Dieser Beitrag fasst die wesentlichen Erkenntnisse der empirischen Arbeit zusammen.

The main goal of this paper is to explore the concept of place and the emotions felt at specific places. The paper is concentrated on power places, places in which people recharge and feel at peace, and places that evoke positive feelings. The reported project is based on a set of mapping experiments conducted in the city of Hamburg, Germany. Participants were asked to map their power places, describe their characteristics and the feelings they feel at these places. In total, 191 power places were identified, including the descriptions of their physical characteristics and emotions associated with these places. This paper summarizes the main findings of the empirical work.