Kartographische Nachrichten
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Visuelle Wahrnehmung von Landmarken im Indoor-Bereich

Visual Perception in Indoor Environments

Conrad Franke, Sina Scheffer, Julia Buckenauer, Anja Mahnke, Jürgen Schweikart, Berlin

Für die Indoor-Navigation, und in Abwesenheit von Alternativen, werden funktionale Landmarkenobjekte zu Orientierungszwecken verwendet. Die vorliegende Fall-Kontroll-Studie untersucht einen landmarkenbasierten ndoor-Navigationsprozess in einem komplexen öffentlichen Gebäude. Eye-tracking wurde verwendet, um zu ermitteln, ob der Einsatz zusätzlicher Landmarken-Stimuli die visuelle Suche nach Orientierungspunkten inimierte.Zusätzlich wurde untersucht, ob Unterschiede bei der Wahrnehmung der Gebäudestrukturen festzustellen sind, und ob die kognitive Repräsentation der Landmarken sich verändert. Ein Between-Groups-Design wurde verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz zusätzlicher Landmarken-Stimuli den visuellen Suchprozess während der Navigation intensiviert und die Zahl der Fixationen sich erhöht. Die mentale Karte wird usätzlich beeinflusst. Semantische Eigenschaften der zusätzlichen Stimuli werden in erster Linie benannt, Farbeigenschaften weniger. Die zusätzlichen Stimuli haben jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Objekte, die während der Rekonstruktionsphase genannt werden, und beeinflussen damit nicht den Detailgrad der kognitiven Karte des Gebäudes.

For indoor navigation and in the absence of alternatives, functional landmark objects are used for orientation purposes. This case-control study investigates the landmark-based indoor navigation process in a complex public building. Eye-tracking was used to determine whether the use of additional landmark stimuli minimized visual searching for points of orientation. Additionally, it was investigated whether the perception of the building tructures were recognized differently, and if the cognitive representation of the landmarks is different. A between-groups design was used. The results show that additional landmark stimuli intensify the visual search process in navigation and more fixations take place. The mental map is thereby influenced. Semantic properties of the additional stimuli were named primarily, colour properties only rarely. This, however, had no significant influence on the number of objects named during the reconstruction phase, and thus none on the degree of detail of the cognitive map of the building.

Space-Time Cube – ein Visualisierungswerkzeug zur Darstellung landschaftlicher Veränderungen

Space-Time Cube - A Visualization Tool for Landscape Changes Edyta P. Bogucka, Mathias Jahnke, München

Edyta P. Bogucka, Mathias Jahnke, München

Die zweidimensionale Darstellung der Topographie, eine der grundlegenden Aufgaben der Kartographie, wurde um Visualisierungswerkzeuge erweitert, die sowohl die Darstellung drei- als auch vierdimensionaler (3D + Zeit) Geoobjekte ermöglichen. Als Anwendungsbeispiele für raumzeitliche Darstellungen können Trajektorien von sich bewegenden Objekten oder das Auftreten von Ereignissen an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten genannt werden. Zur letzteren Kategorie zählen auch nicht mobile Objekte wie die Landschaft und Gebäude, die einem zeitlichen Verlauf unterliegen wie Bau, Veränderung und Zerstörung. Mithilfe des Space-Time Cube STC) werden die zeitlichen Veränderungen von Gebäuden und umgebender Landschaft am Beispiel des königlichen Warschauer Schlosses aufgezeigt und somit dem Besucher neue Möglichleiten der virtuellen Erkundung und der Analyse raumzeitlicher Zusammenhänge geboten.

Mapping landscape is the fundamental mission of cartography. The two-dimensional representation of the earth surface has been extended by different visualization tools for three- and four-dimensional (3D + time) objects. Examples of use for advanced space-time visualization methods are trajectories of moving objects as well as events, which are occurring at different places and at different times. Even buildings and their surrounding landscape are following a chronological sequence (construction, modification, destruction) and can be visualized in space and time. Using the space-time cube (STC) approach, the temporal changes over last centuries of the Royal Castle in Warsaw are visualized as a case study to feature virtual exploration and the of analysis space-time relationships.

Anpassung des Kartenausschnitts an das Umblickfeld zur verbesserten Fußgänger-Navigation mit dem Smartphone

Adapting Displayed Map Field in Smartphone to Location-Related Visual Field for Pedestrian Navigation Systems

Bonan Wei, Jochen Schiewe, Hamburg

Die empirische Forschung zur Anpassung des Kartenausschnitts auf dem Smartphone-Bildschirm an das standortbezogene Umblickfeld des Benutzers ist für die künftige Entwicklung einer reibungslosen Fußgänger-Navigation beim Wechsel zwischen Innen- und Außenraum unabdingbar. Hierbei hat der folgende Beitrag das Ziel, die Fußgänger-Navigation mit dem Smartphone durch eine einfache intuitive Pan-Funktion zu verbessern. Anhand zwei aufeinander aufbauenden Studien wurde untersucht, wie das standortbezogene Umblickfeld den dargestellten Kartenausschnitt und die Positionsbestimmung des aktuellen Standorts auf dem Smartphone-Bildschirm beeinflusst. Als wichtigste Faktoren stellten sich die Länge der maximalen Sichtachse und der Kompaktheitsgrad des standortbezogenen Umblickfeld-Polygons heraus. Der Forschungszweck ist, den Kartenausschnitt auf dem Smartphone-Bildschirm und das standortbezogene Umblickfeld stets einander anzugleichen. Aufgrund der in empirischen Studien erworbenen Erkenntnisse wurden die offenen Forschungsfragen und das weitere Forschungsvorgehen abgeleitet.

The empirical research on adapting displayed map field on the smartphone screen to the user’s location-related visual field is indispensable for future development of a seamless pedestrian navigation in the combining indoorand outdoor environment. The aim of this article is to improve the smartphone pedestrian navigation using a simple intuitive pan-function. The purpose of this research is adapting displayed map field on  the smartphone screen to the user’s location-related visual field. The research questions – how the location-related visual field influences its graphical representation and its associated location of user’s actual position on the smartphone screen – are investigated and answered in two empirical studies. As it turned out the most important factors are the length of the maximal sightline and the compactness of the polygon of the location-related visual field. Finally, the future research questions have been deduced by the acquired knowledge in the empirical studies.

 

 

Barrierefreie Erreichbarkeit von Einrichtungen der lokalen Daseinsvorsorge und Raumattraktivität für Senioren: GIS-basierte demographische Betroffenheitsanalyse und kartographische Darstellungen zur Erkenntnisgewinnung

Accessibility of facilities of basic services and spatial attractiveness for senior citizens: GIS-based demographic assessment of impact and cartographic illustrations for gaining knowledge 

Christian Mueller, Sven Beyel, Ulrike Klein, Bochum

Im Sinne einer gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe stellt eine durch den demographischen Wandel hervorgerufene steigende Anzahl von mobilitätseingeschränkten Senioren kommunale Entscheidungsträger bei der Planung der lokalen Daseinsvorsorge vor besondere Herausforderungen. Eine fußläufige und barrierefreie Erreichbarkeit von Infrastrukturen hat dabei eine wesentliche Bedeutung. Im Rahmen einer Fallstudie wurden auf Basis einschlägiger DIN-Normen Barrieren im Straßenraum erfasst. Anschließend wurde für verschiedene Einrichtungen die fußläufige Erreichbarkeit mit und ohne Berücksichtigung der Barrieren ermittelt und zu einem Erreichbarkeitsindex zusammengefasst. Eine kombinierte Betrachtung des Indexes mit amtlichen Einwohnerdaten ermöglichte zusätzlich die Ermittlung von Handlungsbedarfen für die Zielgruppe der Senioren.

Due to the demographic change the number of elderly and mobility-reduced people is increasing. The accessibility of local facilities by foot is important for a continuous participation in the society. In a case study, barriers on walking ways were collected and afterwards used in GIS-based network analysis for the calculation of an index of accessibility. In combination with data concerning the demographic structure of a city, especially people who are more than 67 years old, places with need for action have been identified.