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Sozialwissenschaftliche Kartographie-, GIS- und Geoweb-Forschung

Cartography, GIS- and Geoweb-Studies in the Social Sciences

Georg Glasze, Erlangen/Nürnberg

Unter dem Schlagwort der „Kritischen Kartographie“ hat sich seit den 1980er-Jahren eine sozialwissenschaftliche Kartographieforschung entwickelt, welche die gesellschaftliche Einbettung von Kartographie und Karten sowie die Bedeutung der Kartographie für die (Re-)Produktion gerade bestimmter Weltbilder untersucht. In jüngerer Zeit rücken dabei vermehrt auch die Praktiken, Konventionen und Techniken des Kartenmachens und -gebrauchens ins Blickfeld sowie die Frage, wie diese Praktiken und Techniken „in der Welt arbeiten“. Gleichzeitig erlebt der gesamte Bereich geographischer Informationen und kartographischer Präsentationen seit den 1980er-Jahren mit der Digitalisierung, dem Siegeszug Geographischer Informationssysteme (GIS) sowie nicht zuletzt seit Mitte der 2000er-Jahre mit der zunehmenden Bedeutung räumlicher Informationen für das Internet (dem Geoweb) eine grundlegende Transformation. Die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Transformation kann auf den Ansätzen der Kritischen Kartographie aufbauen, muss jedoch noch stärker die Rolle von Techniken und Praktiken für die Erhebung, Organisation und Verwendung von Geoinformationen ins Blickfeld nehmen. Einen Schwerpunkt der sozialwissenschaftlichen Geoweb- Forschung bildet die Auseinandersetzung mit den offenen und interaktiven Projekten einer Web-2.0-Kartographie. Dabei wird hinterfragt, inwieweit Vorstellungen einer „Öffnung“ und „Demokratisierung“ von Geoinformation und kartographischer Präsentation im Kontext des Web 2.0 zutreffen und untersucht, welche (neuen) Exklusionen, Konflikte und hegemonialen Fixierungen die Web-2.0-Kartographie prägen.


Since the 1980s, “critical cartography” has emerged as subfield in the social sciences that analyses the social embeddedness of cartography and maps as well as the significance of cartography for the (re-) production of specific world views. It has increasingly drawn attention to the way maps are used, and to the practices, conventions, and techniques of map-making, questioning how these practices and techniques “work in the world”. At the same time, the whole field of geographic information and cartographic presentations has been undergoing a fundamental transformation, due to digitization, the proliferation of geographic information systems (GIS), and the growing importance of localized (geo-referenced) information for the internet (the “geoweb“). Socioscientific engagement with this transformation can build upon the approaches of “critical cartography” but has to consider to a higher degree the importance of techniques and practices for the collection, organization, and use of geographic information. A focus of the engagement with the geoweb in the social science lies upon the open and interactive projects of a so called web 2.0 cartography. Social sciences question the extent to which these projects represent an “opening” and “democratisation” of geographic information and cartographic presentations, and analyses the exclusions, conflicts, and hegemonies that are (re-)produced within these projects.

Von Qualitätsuntersuchungen zu Nutzungspotentialen gemeinsam zusammengetragener Geodaten

Towards Quality Analysis and Applicability of Volunteered Geographic Information

Pascal Neis, Heidelberg

Dieser Artikel gibt eine Übersicht zu Qualitäts- und Mitgliederuntersuchungen des OpenStreetMap-(OSM-)Projektes. Die unterschiedlichen Analysen zeigten, dass gemeinschaftlich zusammengetragene Geodaten des OSMProjektes eine Alternative oder auch Ersatz für kommerziell oder administrativ erhobene Geodaten sein können. Die Verwendung ist jedoch im Einzelfall und für die jeweiligen Regionen zu überprüfen. Entgegen der Aussage einer Mitwirkung zahlreicher Laien handelt es sich bei den Mitwirkenden an OSM allerdings nicht selten um schulisch gut ausgebildete Mitglieder mit GISKenntnissen. Anhand eines Beispiels konnte gezeigt werden, dass in Gebieten mit einer zahlenmäßig kleinen und wenig aktiven Community es an Attributinformation wie Straßennamen fehlt. Hier wird es in der Zukunft wichtig werden zu sehen, wie sich solche Gebiete mit ihrer Datenqualität weiterentwickeln werden.

The article provides an overview of OpenStreetMap (OSM) geodata quality and contributor analyses. Different research projects in the past have revealed that the user-generated geodata provided by the OSM project can be a reasonable alternative or replacement for commercial or governmental geo-information. However, the suitability of the data has to be evaluated for each case and region. Oftentimes the contributors of the OSM projects have a university degree and are in some sort GIS knowledgeable. This contradicts the assumption made by many critics that OSM contributors are non-GISexperts. The conducted analysis revealed that in areas with a small number of local and active contributors the collected OSM geodata misses important metadata such as street names. It remains to be seen how the data quality for these particular areas will enhance in the future.

Reproduktion sozialräumlicher Differenzierungen in OpenStreetMap: das Beispiel Jerusalems

Reproduction of Social Fragmentations in OpenStreetMap: the Example of Jerusalem

Christian Bittner, Erlangen-Nürnberg

Der Detailreichtum der Daten von OpenStreetMap ist nicht flächendeckend homogen. Unterschiede in der Datendichte treten nicht nur zwischen großen Regionen, sondern auch auf kleinräumigen Maßstabsebenen auf. Teilweise scheinen diese Differenzen entlang von sozialräumlichen Differenzierungen zu verlaufen. Dieser Beitrag diskutiert am Beispiel der Stadt Jerusalem, wie solche sozialräumlichen Differenzierungen anhand von geostatistischen Methoden empirisch untersucht werden können. 

The level of detail in OpenStreetMap data is not spatially homogeneuos. The density of data varries not only across large regions, but also on local scales across neighbourhoods. Partly, those discrepancies seem to follow social fragmentations. Employing the city of Jersualem as a case study, this article discusses how empirical research on social fragmentations in OpenStreetMap data can be conducted through geostatistical methods.

Ein Analyseansatz für Nutzerverhalten auf Basis von OSM-Daten

User Analysis Methods for OSM

Dominik Kremer, Klaus Stein; Bamberg

OpenStreetMap bietet nicht nur Zugriff auf eine große Zahl freier Geodaten, sondern auch auf die daraus ablesbaren Aktionen der beteiligten Akteure, die zudem teilweise GPS-Tracks von sich bereitstellen. Die in dieser Arbeit vorgestellten Methoden und Verfahren erschließen die OSM-Datenbank hinsichtlich Versionshistorie und Nutzerverhalten. Damit öffnen sie die black box OSM und ermöglichen Forschenden tiefer gehende Analysen ihrer inneren Struktur. Anhand ausgewählter Beispiele zeigen wir, wie statistische Auswertungen und Visualisierungen neue Einblicke in das Nutzerverhalten und die über soziale Netzwerke abgebildeten Nutzerstrukturen bieten.

OpenStreetMap provides a huge amount of open geodata. This includes edit actions of its users. Additionally, a number of users provide GPS-tracks. In this article we show methods for the analysis of these data sources with focus on the active users allowing deeper insight for the researcher by opening the black box “OSM database”. We exemplify these methods on selected datasets with statistical analyses and visualizations giving new insights in user behavior and social network structures.

Sozialwissenschaftliche tag-Analyse mit OpenStreetMap-Daten am Beispiel religiöser Andachtsstätten in Deutschland

Social scientific Tag Analysis of OpenStreetMap Data. A Case Study of Places of Worship in Germany

Tim Elrick, Erlangen-Nürnberg

Das Aufkommen von Web 2.0-Technologien auch im kartographischen Bereich eröffnet die Möglichkeit, soziale Phänomene vielfältiger als in amtlichen Karten zu repräsentieren. Dieser Beitrag führt am Beispiel der Open-StreetMap-Datenbank eine sozialwissenschaftliche Analyse kartographischer Repräsentationen religiöser Andachtsstätten in Deutschland im Hinblick auf diese Vielstimmigkeit durch und zeigt dabei die methodischen Möglichkeiten und Beschränkungen einer Attribut-Analyse von crowdsourced Geodaten auf.

The emergence of cartographic web 2.0 technologies opens the floor for a potentially more multifarious representation of social phenomena than in official maps. This paper examines cartographic representations of places of worship in Germany taking a sample from the OpenstreetMap database to analyze the polyphony in the data. It is followed by a methodological discussion of the applied tag analysis of the crowdsourced geodata.