Kartographische Nachrichten
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Vertrauen im Rahmen der Nutzung von Karten

Trust in the Field of Map Usage

Jochen Schiewe, Hamburg; Martin K.W. Schweer, Vechta

Untersuchungen zur Gebrauchstauglichkeit (Usability) sind im Bereich der Kartennutzung inzwischen weit verbreitet. Dagegen finden Aspekte des  Nutzungserlebnisses (User Experience), die auch eine Reihe „weicher“ Faktoren wie Ästhetik, Emotionalität oder Spaß bewerten, kaum Beachtung. Dieser Beitrag greift mit dem Phänomen des Vertrauens einen speziellen dieser Faktoren heraus. In Anlehnung an vorliegende Befunde der  Vertrauensforschung wird dabei zunächst ein theoretisches Rahmenmodell mit den Elementen „Karte“, „Nutzer“ und „Aufgabe“ vorgestellt. Auf dieser Basis werden vertrauensfördernde Merkmale im Zuge einer Interviewstudie  hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit bewertet. Konsequenzen dieser ersten Ergebnisse für die weitere empirische Forschung zum Vertrauen im Zuge der Kartennutzung werden abschließend skizziert.

Usability studies in the field of map usage became widespread. On the other  hand, aspects of user experience, which also evaluate a number of “soft” factors like aesthetics, emotions or fun, find only little attention. Out of thisset of factors, this contribution concentrates on the phenomenon of trust. Based on findings in trust research a theoretical framework model with the elements „map“, „user“ and „task“ is presented. On this basis an interview study is performed that evaluates trust-building features with respect to their significance. Finally, consequences of these initial results for further empirical research on trust in the context of map usage are outlined.

Crowdsourcing Affective Responses to Space

Erfassung affektiver Raumwahrnehmung durch Crowdsourcing

Silvia Klettner, Haosheng Huang, Manuela Schmidt, and Georg Gartner; Vienna

Humans perceive and evaluate environments subjectively. These  interpretations influence daily behavior and decision-making in space. Recently, due to the ubiquitous availability of smartphones and the increasing growth of Web 2.0, crowdsourcing is emerging as a promising approach for collecting and modeling people’s affective responses towards space. In this paper, we illustrate how these affective responses can be crowdsourced, and how these collected datasets can help to study the impact of environmental characteristics on people’s affective responses, as well as how these responses differ among people with different characteristics, backgrounds, and contexts.

Der Mensch erlebt und bewertet seine Umwelt. Derartige Interpretationen beeinflussen Entscheidungen und Verhalten des Menschen im Raum. Durch die gegenwärtige Nutzung von Smartphones und den zunehmenden Wachstum des Web 2.0 werden neue Möglichkeiten geschaffen, um derartige affektive  Bewertungen des Raumes zu erfassen. Crowdsourcing erweist sich dabei als vielversprechender Ansatz. Dieser Beitrag veranschaulicht, wie affektive Raumdaten mittels Crowdsourcing erfasst werden können, und wie derart   erhobene Daten in weiterer Folge genutzt werden können, um die affektive  Wahrnehmung der Umwelt in Abhängigkeit von raumbezogenen und personenbezogenen Eigenschaften sowie kontextuellen Bedingungen zu erforschen.

Zur Vollständigkeit des Gebäudedatenbestandes von OpenStreetMap

On the Completeness of the OpenStreetMap Building Data

Carola Kunze, Robert Hecht, Stefan Hahmann; Dresden

Vor dem Hintergrund der zukünftigen Nutzung von OSM-Gebäudedaten in
der Raumwissenschaft für die Analyse der urbanen und ländlichen Siedlungsstruktur wird in diesem Beitrag eine Untersuchung des aktuellen Vollständigkeitsgrades dieser Daten im Vergleich zu den entsprechenden Daten der amtlichen Vermessung (ALK, ATKIS) dargestellt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf einer Betrachtung möglicher Vergleichsmethoden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gebäudedaten des OSM-Projektes, anders als beispielsweise
die Daten des Straßennetzes, noch starke Defizite hinsichtlich der Vollständigkeit aufweisen. Dabei zeigt sich eine deutliche regionale  Differenzierung. Der Artikel schließt mit einem Ausblick auf zukünftige  Nutzungspotenziale der OSM-Gebäudedaten.

With regard to future applications of OSM building data in spatial sciences for analyzing urban and rural settlement structure we investigate the latest level of completeness of the OSM building data in comparison to the corresponding datasets of the German national mapping agency (ALK, ATKIS). In contrast to other object classes, such as the road network, the results show that in  general the building data of the OSM project have not yet reached a significant degree of completeness although there is some regional differentiation. The article closes with a perspective on potential future uses of the OSM building data.

Prozesse in mehreren Detailstufen modelliert am Beispiel von Routenbeschreibungen

Multi-Granularity Processes – The Case Of Route Descriptions

Paul Weiser, Wien

Ein Großteil der Analysefähigkeiten von Geographischen Informationssystemen
(GIS) beschränkt sich momentan noch auf statische Phänomene. Dieser Artikel diskutiert die Notwendigkeit von Modellen, die fähig sind, verschiedene Detailstufen des gleichen Prozesses darzustellen. Dies ergibt sich aus den  unterschiedlichen Bedürfnissen von Nutzern, die je nach Hintergrundwissen oder Aufgabenstellung andere Informationen benötigen. Hierzu wird ein skalierbarer und flexibler Formalismus vorgestellt. Dies wird am Beispiel von  verschieden detaillierten Routenbeschreibungen illustriert.

In Geographic Information Systems (GIS), process models are still less advanced than their static counterparts. Often, models consider only one fixed level of detail. The appropriate level of detail for users of a GIS, however,  depends on various factors, e.g., their background knowledge or the task at hand. This work presents a flexible and scalable formalism capable of  representing processes over multiple levels of detail. The model is applied to route descriptions in the context of public transportation.

Initiative zur Sicherung „Guter Kartographischer Praxis im Gesundheitswesen“ (GKPiG)

Initiative to Ensure “Good Cartographic Practice in Health Care” (GKPiG)

Jobst Augustin, Berlin; Jana Moser, Leipzig

Im Gesundheitswesen haben thematische Karten in den letzten Jahren großen Zuspruch gefunden. Frei verfügbare sowie einfach zu handhabende (Desktop-) Mapping- und Geoinformationssysteme (GIS) ermöglichen es inzwischen auch dem kartographischen „Laien“, beispielsweise medizinsoziologische Sachverhalte in einer Karte wiederzugeben. Dabei entsprechen sowohl die Auswahl als auch die Umsetzung der Inhalte oftmals nicht den kartographischen Anforderungen, die dem Nutzer eine sichere und sinnvolle Interpretation der Darstellung erlaubt. Vor diesem Hintergrund ist die Erarbeitung kartographischer Mindestanforderungen in Form einer „guten wissenschaftlichen Praxis“ für die Erstellung von Karten im Gesundheitswesen sinnvoll. Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, erstmalig einheitliche Qualitätsstandards zur Sicherung einer „guten kartographischen Praxis im Gesundheitswesen“ in Form von Handlungsempfehlungen zu schaffen.
 
Over the last few years thematic maps became increasingly popular for the health care system. (Desktop-) mapping- and geographic information systems (GIS) are freely available and easy to handle, so even cartographic laymen can visualize medical issues in a map now. But often the choice and also the implementation of maps do not correspond with the standards of cartographic presentations which allow the user to interpret visualizations in a reliable and useful way. In this context of a ‘good scientific practice’ it is reasonable to formulate cartographic minimum requirements for maps for the health care system. This initiative wants to establish uniform quality standards in the form of recommendations to make sure there is a ‘good cartographic practice in health care’.