Kartographie – eine selbständige, integrative und spannende Wissenschaft

Cartography – an independent, integral and exciting Science

Manfred F. Buchroithner, Dresden

Ausgehend von kartographiehistorischen Darlegungen und wissenschaftstheoretischen Überlegungen wird versucht, anhand einiger Beispiele den integrativen Charakter der Geodatenvisualisierung zu beleuchten. Dabei spielen Datenerfassung, -prozessierung und -analyse ebenso eine Rolle wie eine optimierte nutzergerechte Darstellung. Die vorgestellten Anwendungsprojekte reichen von TLS-basierten unterirdischen 3D-Kartierungen in den Alpen bis zu multitemporalen dreidimensionalen Auswertungen von satellitenbasierten Gletscheraufnahmen für die Hochgebirge Zentralasiens.

Taking statements about the early history of cartography and epistemological reflections as an outset, the author tries to illuminate the integrative character of geodata visualization giving some exemplary cases. They show the role of data acquisition, data processing and data analysis and, first of all, a userfriendly visualisation. The presented application projects reach from TLS-based subterraneous 3D mapping in the Alps to multitemporal threedimensional analyses of spaceborne glacier imagery for the high-mountain ranges of Central Asia.

Subjektive Kartographien – Dekonstruktion und Konstruktion

Subjective Mapping – Deconstruction and Construction

Egbert Daum, Osnabrück

Orientierung und Kommunikation auf der Welt kommen nicht ohne Karten aus. Besonders der Geographieunterricht gründet sich auf Karten und kartographische Methoden. Der Mythos einer „objektiven“ Kartographie jedoch ist durch eine „kritische“ Kartographie ernsthaft in Frage gestellt. Indem Karten dekonstruiert werden, eröffnen sich neue Perspektiven auf die Welt, ebenso dadurch, dass Individuen ermutigt werden, die Welt durch „subjektives“ Kartographieren zu vermessen statt sie in traditioneller Weise nur zu „kartieren"...

Spatial orientation and communication in the world are not imaginable without maps. Especially the teaching of geography deeply relies on maps and cartographic methods. The myth of an “objective” cartography, however, has been severely questioned by a “critical” cartography. New perspectives on the world are opened by deconstructing maps, equally by encouraging the individual to compass the world by “subjective” mapping instead of merely surveying the landscape by methods of “tracing” in a traditional way.

Akustische Kodierung quantitativer Information in Karten – Ergebnisse einer Studie zum Vergleich mit klassischen Darstellungsformen

Acoustic Encoding of Quantitative Information in Maps – Results of a Study Comparing with Classical Forms of Representation

Jochen Schiewe, Beate Weninger; Hamburg

Dieser Beitrag geht von der Kernhypothese aus, dass eine multikodale Darstellung durch Graphik und Klang eine umfangreichere und flexiblere Vermittlung von quantitativen Informationen sowie quantitativen Veränderungen in kartographischen Darstellungen ermöglicht. Zur Überprüfung dieser Hypothese wurden in einem ersten Schritt geeignete Klangvariablen zur Darstellung quantitativer Informationen analytisch selektiert. Als wichtigste Variable stellte sich die Tonhöhe heraus, die auch für die nachfolgende Konzeption und Implementierung von Klangkarten eingesetzt wurde. In einer Nutzerstudie wurden ausgewählte Aspekte der Gebrauchstauglichkeit (Usability) evaluiert und künftige Forschungsfragen abgeleitet.

This contribution is based on the core hypothesis that a multicodal presentation through graphics and sound will enable a richer and more flexible provision of quantitative information and quantitative changes in cartographic displays. To test this hypothesis, in a first step, appropriate sound variables representing quantitative information have been selected analytically. The most important variable turned out to the pitch, which was used for the subsequent design and implementation of sound maps. In a follow-up user study, selected aspects of usability have been evaluated and future research questions have been deduced.

Automatische Generierung von Punktwolken in Punktstreuungskarten

Automatic Generation of Dot Clusters in Dot Distribution Maps

Annette Hey, Rostock

Punktkarten werden genutzt um Absolutwerte, wie Bevölkerungszahlen oder andere Mengen, darzustellen. Dazu verwenden sie in Größe und Wert identische Punkte. Punktkarten werden unterteilt in Punktdichte- und Punktstreuungskarten. Während Punktdichtekarten eher Überblickscharakter besitzen, zeigen Punktstreuungskarten individuelle Verteilungsmuster, die geographische und topographische Faktoren berücksichtigen. Viele andere kartographische Darstellungsmethoden, wie z.B. Flächenkartogramme, wurden bereits automatisiert. Aber automatisch erstellte Punktkarten sind noch immer auf Punktdichtekarten beschränkt (siehe z.B. Agárdi, 2012). Dieser Beitrag zeigt eine Methode zur Generierung von Punktwolken in Punktstreuungskarten. Das entwickelte Verfahren vereint die Vorteile der regelmäßigen und der zufälligen Punktplatzierung, indem es eine garantierte Punktanzahl mit pseudo-zufälliger Punktplatzierung kombiniert um regelmäßige Strukturen zu vermeiden.

Dot maps are used to visualize absolute values, such as population figures or other amounts. They represent a quantity using dots equal in size and value. Dot maps are subdivided in dot density maps and dot distribution maps. While dot density maps give an overall impression, dot distribution maps show individual distribution patterns that take into account geographic and topographic factors. Many other cartographic representation methods are already automated, e.g. choropleth maps, but dot mapping is still limited to dot density maps (see e.g. [Agárdi 2012]). This paper presents a method of generating dot clusters in dot distribution maps. The developed technique unites the advantages of regular and random dot placement by guaranteeing a certain number of dots and pseudo-random dot placement to avoid regular structures.

Kartengestaltung besser verstehen – Eine kulturvergleichende Perspektive

Understanding Map Design – A Cross-Cultural Comparison

Stephan Angsüsser, Wuhan; Liqiu Meng, München

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem Vergleich ausgewählter Aspekte der kartographischen Kulturen von Deutschland und China. Anhand von Unterschieden zwischen so genannten „Kartenicons“ werden verschiedene Präferenzen bei der Gestaltung von Kartenzeichen exemplarisch aufgezeigt. Diese betreffen die Art von Klassengrenzen, den Wert von Standardisierungen und die Beurteilung von Wechselwirkungen zwischen Kartenzeichen. Derartige Unterschiede lassen sich mit solchen zwischen den beiden Kulturen hypothetisch verknüpfen und infolgedessen als mögliche kartographische Kulturunterschiede auffassen.

This article compares selected aspects of German and Chinese cartographic symbol designs. Cultural preferences concerning class boundaries, standardization issues and sign interactions are documented and assessed. The article correlates the cartographic symbol findings with the respective cultural differences.

Konzept und Ergebnisse einer automatisierten Baublockabgrenzung aus topographischen Kartenwerken

A Concept for an Automated Delineation of Urban Blocks from Topographic Maps

Sebastian Muhs, Gotthard Meinel, Dirk Burghardt; Dresden

Die kleinräumige Analyse der Siedlungsentwicklung besitzt wesentliche Bedeutung für die Formulierung und Umsetzung siedlungspolitischer Ziele. Baublöcke, Straßen und Gebäude als Elementarobjekte der Siedlungsstruktur sind dabei von besonderem Interesse. Großmaßstäbige digitale Daten der Siedlungsstruktur auf Ebene der Baublöcke gibt es in Deutschland flächendeckend seit 1997 in Form des ATKIS®-Basis-DLM. Entscheidungsträger benötigen neben aktuellen Daten auch Informationen zur Entwicklung der Siedlungs- und Freiraumfläche und damit auch Daten früherer Zeitpunkte. Um diese zu erzeugen, wird ein Konzept zur automatisierten Baublockabgrenzung aus topographischen Kartenwerken über Methoden der digitalen Bildanalyse vorgestellt.

Large-scale analysis of urban development is of significant importance for evaluating the success of settlement policy goals. Urban blocks, streets, and buildings representing elementary objects of urban structure are of particular interest. At the level of urban blocks, large-scale digital data about the urban structure in Germany have been available comprehensively since 1997 through the implementation of ATKIS® Basis DLM Stage 1. However, in addition to data of the status quo, policy making requires information about the development of settlement and open space area and therefore data from earlier time periods. To supply these, we present a concept for an automated delineation of urban blocks from topographic maps using methods of digital image analysis.