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Eine empirische Studie zu Effekten von simulierter Grünblindheit (Deuteranopie) auf das kartenbasierte Positionsgedächtnis

An Empirical Study on the Effects of Simulated Deuteranopia for the Map-based Object-Location Memory

Dennis Edler, Sirle Edler, Frank Dickmann; Bochum

Ein grundlegender Zweck des Einsatzes kartographischer Medien ist die Verbesserung der Orientierung in der Umwelt.
Zur räumlichen Orientierung benötigen Menschen eine möglichst lückenlose und genaue Vorstellung der Umwelt.
Karten dienen dabei als Medien, mit denen abgebildetes Überblickswissen in das räumliche Gedächtnis überführt wird.
Dabei entsteht eine kognitive Raumvorstellung (mental map), aus der entsprechendes Wissen zur Bewältigung räumlicher
Orientierungsfragen abgerufen werden kann. In der Empirischen Kartographie wird vermehrt die Notwendigkeit
betont, die räumliche Gedächtnisleistung verschiedener Nutzergruppen zu untersuchen. Dazu zählen insbesondere
farbenfehlsichtige Menschen, die bspw. an Grünblindheit (Deuteranopie) leiden. Ergebnisse aus der Kognitionspsychologie
zeigen, dass Deuteranopen Farbtonunterschiede erheblich schlechter wahrnehmen können als normalsichtige
Menschen, was Einfluss auf die Gedächtnisleistung nehmen kann. Demnach ist auch anzunehmen, dass deuteranopiebedingte Farbwahrnehmung auch die räumliche Gedächtnisleistung mindert. Auf der Basis einer Recall-Memory-Methode hat die vorliegende Studie das Ziel, in einem ersten Versuch den Verlust zu quantifizieren, der beim Lernen
von Karteninformation durch die Simulation von Deuteranopie im Positionsgedächtnis entsteht (Faktor: SICHTIGKEIT,
Bedingungen: normalsichtig, fehlsichtig). Zudem wird durch die Studie untersucht, ob ein solcher Verlust durch den
Eintrag von Gitterstrukturen korrigiert werden kann (Faktor GITTER; Bedingungen: vorhanden, nicht-vorhanden).
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Simulation der Farbenfehlsichtigkeit Deuteranopie zu signifikant höheren
Ungenauigkeiten im räumlichen Gedächtnis führt als bei einer farblich unveränderten Graphik topographischer Karten.
Durch den Eintrag von aufliegenden Gittern in die Kartengraphik können diese räumlichen Ungenauigkeiten erheblich
reduziert werden.

An essential function of using cartographic media is the fostering of orientation in the environment. To perform
successfully in orientation tasks, a most complete and accurate picture of the environment is needed. Maps are media
used to transfer graphically represented survey knowledge into human spatial memory. Here, a cognitive map is
formed, which is used to solve spatial orientation tasks by recalling spatial knowledge. In Empirical Cartography, there
is an emphasis on investigating the spatial memory performance of specific user groups. In particular, these user groups
include people with colour vision anomalies, such as green blindness (deuteranopia). Results from cognitive psychology
show that deuteranopes are not able to perceive colour differences as normally-sighted people do. This visual restriction
causes disadvantages for spatial memory. Based on a recall memory paradigm, an empirical study was conducted.
The aim of this study was to make a first approach of quantifying the loss of spatial memory performance arising from
(simulated) deuteranopia. In addition, it was investigated whether this loss was compensated by an overlaying grid
pattern. The results of this study show that the deuteranopia colour scheme triggered a significant disadvantage for
the accuracy of object-location memory performance. The additional grid layer helped to counterbalance this loss.

Erstellung eines differenzierten Gebäudebestandes auf Grundlage des ATKIS-Basis-DLM und Daten örtlicher Bauleitplanung

Building a differentiated building-stock based on ATKIS-Basis-DLM and local land-use planning data

Manuel Burckhardt, Radebeul

In diesem Artikel wird eine Methodik zur Erstellung eines differenzierten
Gebäudebestandes für Zwecke der Raumbeobachtung in der Regionalplanung
vorgestellt. Sie basiert auf Daten des ATKIS-Basis-DLM sowie Daten
der örtlichen Bauleitplanung (Flächennutzungspläne und Bebauungspläne).
Es wird die Klassifizierung mithilfe von ArcGIS beschrieben. Außerdem wird
darauf eingegangen, wie zeitintensive großflächige Kartierungsprozesse
mit den umfangreichen Funktionen eines GIS effizient gestaltet werden
können.

This article deals with a methodology for creation of a differentiated
building-stock for purposes of space observation in regional planning. It is
based on data of ATKIS-Basis-DLM and data from local land-use planning.
The main issue of this paper is the classification of the data set with
ArcGIS. Futhermore, there is described, how you can accelerate timeintensive
large-scale mapping processes by using advanced features of
modern GIS.

Zur Geodateninfrastruktur in Polen

Geodata infrastructure in Poland

Elżbieta Bielecka, Beata, Medyńska-Gulij; Poznań (Polen)

Der Aufbau der Geodateninfrastruktur in Polen begann im Jahr 2010 nach
der Verabschiedung des Gesetzes über die Geodateninfrastruktur durch
den polnischen Sejm. Das Gesetz setzt die INSPIRE-Richtlinie in polnisches
Recht um. In den vergangenen fünf Jahren wurde die Organisationsstruktur
geschaffen und Arbeiten zum Aufbau der technischen Infrastruktur eingeleitet,
die die Bereitstellung der Geodaten gemäß den INSPIRE-Anforderungen
ermöglicht. Die Lösungen wurden den in Polen bestehenden Bedürfnissen
im Bereich der Geodaten und den rechtlichen Bedingungen angepasst. Der
vorliegende Beitrag beschreibt die Geodateninfrastruktur (IIP) in Polen, mit
besonderem Hinweis auf ihren interdisziplinären, ressortübergreifenden,
multithematischen, hierarchieübergreifenden und allgemeinen Charakter.
Betont wird auch die besondere Rolle, die der Landeshauptgeodät
im Prozess des Aufbaus der Geodateninfrastruktur spielt. Einerseits
ist er Koordinator aller Maßnahmen, andererseits der Datenlieferant für
viele INSPIRE-Themen. Zum Schluss werden die Herausforderungen genannt,
die mit dem Aufbau, der Fortführung und dem Betrieb der IIP in Polen
verbunden sind.

The construction of a spatial information infrastructure in Poland
commenced in 2010, following adoption by Parliament of the Act on the
Spatial Information Infrastructure (IIP). The act introduces the INSPIRE
directive into Polish law. During the past five years, an organisational
structure has been implemented, and work started on the creation of a
technical infrastructure that would make it possible to provide access to IIP
data in accordance with INSPIRE requirements. The solutions adopted are
adapted to specific Polish needs concerning spatial information and formallegal
conditions. The present article contains a description of the IIP in
Poland, with particular attention being paid to its interdisciplinary,
multitopical, multilevel and common nature. Attention has also been
given to the special role played in the process of IIP construction by the
Principal Surveyor of the Country, who on the one hand is the coordinator
of the entirety of activities, while on the other acts as the provider of data
for numerous INSPIRE topics. Finally, we have presented the challenges
connected with the construction, maintenance and functioning of the IIP
in Poland.

 

 

Eine erste Analyse der Gestaltungsparameter, die die Interpretation von Lärmkarten beeinflussen: Erkenntnisse aus empirischer Forschung

An initial analysis of design parameters affecting the interpretation of noise
maps: Insights gained in empirical research

Beate Weninger, Hamburg

Im Zuge der Entwicklung eines Farbschemas zur Repräsentation der Lärmimmission
in Karten wurden Analysen und Nutzerstudien zur Beantwortung
konkreter anwendungsbezogener Forschungsfragen durchgeführt. Es
wurden pragmatische Erkenntnisse für die allgemeine Verbesserung sowie
für die Entwicklung des Farbschemas erlangt, aber auch Effekte beobachtet,
wie Gestaltungsparameter Einfluss auf die Karteninterpretation nehmen
können. Das Vorwissen der Nutzer, die Wahl der dargestellten Information,
die visuelle Variable Farbe und Interaktionen der Parameter nehmen
Einfluss auf die Interpretation. Es zeigte sich, dass Farbe als visuelle
Variable nur Einfluss auf bestimmte zielgerichtete Aufgaben (Tasks) hat.
Effekte durch Gestaltungsparameter sind daher abhängig von den Tasks
der Nutzer und unterliegen der Top-down-Verarbeitung im Wahrnehmungsprozess.

In the course of the development of a colour scheme for representing
noise immission in maps the author has conducted a series of analyses and
user studies, all to answer concrete research questions. While the author
gained pragmatic insights for the general improvement of noise maps and
the development of the colour scheme she also observed effects of visual
design parameters on map interpretation that were not anticipated. For map
interpretation the prior knowledge about the presented phenomenon, the
presented content, the visual variable colour and interactions of parameters
were determining factors. It became apparent that the individual visual
variable colour is only influencing map interpretation for certain tasks.
Effects of design parameters therefore are task-dependent as they depend
on top-down processing.

Erfassung, Analyse und Visualisierung emotionsbezogener, räumlicher Informationen aus nutzergenerierten Daten

Retrieving, analyzing and visualizing emotionrelated spatial information from user-generated content

Eva Hauthal, Dirk Burghardt; Dresden

Der vorliegende Beitrag präsentiert die wesentlichen Forschungsergebnisse
aus der Dissertation der Erstautorin (Hauthal, 2015). Diese befasst sich mit
der Extraktion von georeferenzierten Emotionen aus Textdaten in den
Metadaten verorteter Flickr- und Panoramio-Fotos, d. h. aus nutzergenerierten
Inhalten, sowie deren Modellierung und Visualisierung. Die extrahierten
Emotionen bilden zusammen mit der geographischen Koordinate
des jeweiligen Fotos eine georeferenzierte Emotion. Die Ergebnisse stellen
eine emotionale Raumcharakterisierung dar und ermöglichen es, spezifische
Eigenschaften verorteter Emotionen festzustellen und zu untersuchen.
Bei diesen Eigenschaften handelt es sich sowohl um die zeitliche Abhängigkeit
und den zeitlichen Bezug von Emotionen als auch darum, dass zwischen
kollektiv und individuell wahrgenommenen Emotionen unterschieden
werden kann. Das bedeutet, dass ein Ort nicht nur mit einer Emotion
verbunden sein muss, sondern möglicherweise auch mit mehreren. Die
Auswertung erfolgte mithilfe verschiedener kartographischer Visualisierungen.
Eingehender wurde das zeitliche Auftreten der ortsbezogenen
Emotionen untersucht.

The present paper is a summary of the dissertation of the first author
(Hauthal, 2015) which deals with the extraction of georeferenced emotions
from text data in the metadata of Flickr and Panoramio photos, thus from
user-generated content, as well as with their modelling and visualization.
Together with the coordinates of the respective photo, the extracted
emotion forms a georeferenced emotion. The results are an emotional
characterisation of space which makes it possible to assess and investigate
specific features of georeferenced emotions. These features are the temporal
dependence and the temporal reference of emotions on one hand;
on the other hand collectively and individually perceived emotions have
to be distinguished. As a consequence, a place does not necessarily have
to be connected with merely one emotion but possibly also with several.
The analysis was carried out with the help of different cartographic visualizations.
The temporal occurrence of georeferenced emotions was examined
detail.

Die Suche nach einem neuen Ansatz für eine Beziehung zwischen einer Organisation der partizipativen Kartierung und dem Bundesamt für Kartierung in Indonesien

Finding a New Approach for Participatory Mapping Organization and National Mapping Agency Relation in Indonesia

Harry Ferdiansyah, Bamberg

Diese Studie behandelt einen möglichen Ansatz für die organisationsübergreifende Beziehung zwischen einer
Organisation für partizipative Kartierung (Participatory Map Organization – PMO) und dem Bundesamt für Kartierung
(National Mapping Agency – NMA) im Rahmen der Zusammenarbeit und der Nutzung der räumlichen Daten unter dem
Einfluss vom Gesetz zur georäumlicher Information (Geospatial Information Act) in Indonesien. Das Potenzial von
PMOs freiwillig produzierter geografischer Informationen zur Beschleunigung und Bereicherung der amtlichen
Produktion der räumlichen Daten trifft auf Probleme. Dies hängt damit zusammen, dass das Gesetz festgelegt hat,
dass die NMA die einzige Organisation geworden ist, die fast alle raumbezogenen Aktivitäten innerhalb der
indonesischen Region steuert. Interviews wurden durchgeführt, um die bestehenden Bedingungen zu thematisieren
und auch, um die ideale Beziehung zwischen PMO und NMA vorauszusehen, welche die Bereicherung der räumlichen
Daten ermöglichen soll, von denen beide Seiten profitieren. Die Ergebnisse dieser Studie können dabei helfen, ein
Verständnis zu schaffen, wie eine interorganisatorische Beziehung aufgebaut und aufrechterhalten werden kann
und das unter Bedingungen, die ähnlich existieren können.

This study discusses a possible approach for an inter-organizational relationship between Participatory Map Organization
(PMO) and the National Mapping Agency (NMA) in the context of collaboration and spatial data utilization under
the influence of the Geospatial Information Act, in Indonesia. The potential of PMO’s volunteered geographic information
to accelerate and enrich authoritative spatial data production is experiencing issues as the Act has stated that
NMA has become the only organization to govern almost all spatial-related activities within the Indonesian region.
Interviews have been conducted to address the existing conditions and also to foresee the ideal relationship between
PMO and NMA to enable spatial data enrichment that benefits both parties. The results of this study can be helpful as
an insight to build and maintain an inter-organizational relationship under the conditions that might similarly exist.