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Einsatz audio-visueller Karten in der Schule – Eine Unterrichtsidee zum Strukturwandel im Ruhrgebiet

The Use of Audio-visual Maps in School Education – A Teaching Example of the Structural Transformation of the Ruhr District

Dennis Edler, Klaus Jebbink, Frank Dickmann; Bochum

Um im Geographieunterricht eine intensivere Auseinandersetzung mit Karteninhalten zu fördern, wurde in der
Geographiedidaktik die Methode „lebendige Karte“ eingeführt und weiterentwickelt. Hierbei werden Schülerinnen
und Schüler in konkrete Szenarien hineinversetzt, die Menschen im durch Karten repräsentierten Realraum erleben
könnten. Die Methode „lebendige Karte“ kann bspw. zur Vorbereitung einer Exkursion eingesetzt werden. Um über
diese Methode eine fallbeispielgestützte Auseinandersetzung mit einem zukünftigen Exkursionsraum noch stärker zu
fördern, bieten akustische Gestaltungsmittel in der Kartographie weitere Möglichkeiten. Audiorealistische Tonspuren,
d. h. Aufnahmen der akustischen Wirklichkeit (Soundscape), können die reale Atmosphäre von Orten simulieren. Der
vorliegende Beitrag stellt eine Unterrichtsidee vor, in der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 mit einer
audio-visuellen Karte, die verschiedene audiorealistische Signaturen enthält, arbeiten sollen. Thematisch geht es in
dieser Unterrichtsidee um den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Das konkrete räumliche Fallbeispiel ist der Landschaftspark
Duisburg-Nord, in dem ehemalige Industriestandorte heute für verschiedene Freizeitnutzungen zugänglich sind
und der als ein Beispiel für Strukturwandel auch vielfach in Schulbüchern verwendet wird.

In order to support a more intensive analysis of map contents in geography classes, the method “lebendige Karte”
was developed and established in German educational geography. Here, pupils are given detailed scenarios of things
people could do and experience in the area represented in a map. This method is especially suitable for the preparation
of a field trip. To intensify this scenario-based way of dealing with a future place for a field trip, additional auditory
features are another option. Audiorealistic features, i.e. recordings of the real sonic environment (Soundscape), are
capable elements to represent the atmosphere of different places. In this paper, a concept for a teaching example
is presented. In this example, pupils are asked to deal with an audio-visual map including different audiorealistic
recordings. The topic is the structural transformation of the Ruhr district. It concerns “Landschaftspark Duisburg-
Nord”, a former industrial area which offers many spare time activities today. This example is often used in contemporary
school books.

Vom analogen Atlas zum cloudbasierten Atlassing

From Analog Atlas to Cloud-based Atlassing

Florian Hruby, Mexiko Stadt (Mexiko)

Am Beispiel des Atlas versucht dieser Text, die Transformation von der
analogen zur digitalen Kartographie zu skizzieren. Es werden wesentliche
Termini, nämlich Atlas und Cloud-Computing geklärt und in Bezug auf die
analoge Kartographie ausgerichtet. Bei dieser Begriffsinventur wird deutlich,
dass die Diskussion digitaler Atlanten oft auf den Vergleich digitaler vs.
analoger Karten reduziert wird. Wesentliches Atlasmerkmal sind jedoch
nicht die einzelnen Karten, sondern deren Kombination, wofür cloudbasierte
Atlanten innovative Möglichkeiten zur Entwicklung horizontaler
und vertikaler Vergleichsstrukturen bieten. Solche Atlanten können nicht
nur als Produkt, sondern auch als partizipativer Prozess (genannt Atlassing)
konzipiert werden.

Using the example of atlases, this paper discusses the transition from analog
to digital mapping. Section 1 and 2 will cover the main concepts, i.e. atlases
and cloud computing. Based on a critical review on current literature, we will
argue that the fundamental characteristic of digital atlases is not so much
the use of digital maps, but rather the combination of these maps. With this
assumption we shall demonstrate in chapter 3 how digital atlases facilitate
the synthesis of different maps by means of both horizontal and vertical
comparative structures. In section 4, an outlook on how the cloud can
transform future atlases from products to processes (termed atlassing)
will close this article.

Auswertung von Heatmaps in der Blickbewegungsmessung am Beispiel einer Untersuchung zum Positionsgedächtnis

Heatmap Analysis in Eyetracking Research – The Example of Investigating Object-Location Memory

Frank Dickmann, Dennis Edler, Anne-Kathrin Bestgen, Lars Kuchinke; Bochum

Um einen weitergehenden Einblick in die Prozesse der kartengestützten Informationsaufnahme zu erhalten und Rückschlüsse für ein optimiertes Kartendesign ziehen zu können, bieten sich moderne Verfahren der Blickbewegungsmessung an. Daten aus der Blickbewegungsmessung werden in sog. „Heatmaps“ visualisiert, die eine unmittelbare und intuitive Auswertung des Blickverhaltens von Kartennutzern ermöglichen. In Heatmaps können aggregierte Werte zu der Anzahl und der Dauer von Fixationen wiedergegeben werden, mit denen die Probanden während eines Experiments auf die Kartenbeispiele geblickt haben. Die Entstehung und Auswertung von Heatmaps wird anhand einer Studie zur Wirkung räumlicher Referenzierungsgraphik erläutert. Systematischen räumlichen Verzerrungen, die bspw. über die Wahrnehmung graphischer Zeichen in das räumliche Gedächtnis gelangen, kann über den Eintrag von aufliegenden Gitterlinien oder über die spezifische Aufbereitung (topographischer) Basiskarten entgegengewirkt werden. Um einen weitergehenden Einblick in den Prozess der kartengestützten Informationsaufnahme zu erhalten und Rückschlüsse für ein optimiertes Kartendesign ziehen zu können, wurde mithilfe der Methoden moderner Blickbewegungsmessung kartenexperimentell untersucht, in welcher Form die Blickbewegung von Kartennutzern durch den Einsatz topographischer Einzelelemente oder auch aufgelagerter Gitterlinien beeinflusst wird. Zwar zeichnen sich im
Blickverhalten der Probanden spezifische Muster ab, die auf die Wirkung der Referenzierungsgraphik hinweisen. Die Heatmaps machen jedoch deutlich, dass die Ausbildung von Fixationsarealen mehreren Einflussfaktoren unterliegt, die sich gegenseitig beeinflussen können.

Modern techniques of eye movement registration facilitate a deeper analysis of the processes of map-based information transfer, which may enrich theory formation in cartography. “Heatmaps” are a specific tool for the visualization of eye movement data. They support a fast and intuitive analysis of the map user’s viewing behaviour. In heatmaps, data on fixation counts and fixation durations, for instance, are summarized and represented. In this paper, the construction and analysis of heatmaps are explained, with reference to a study on the effects of graphic map elements that reference represented space. Systematic distortions are often transferred to spatial memory via map graphics. They can be corrected by adding or graphically emphasizing grid structures to (topographic) base maps. This study concerns the influences of grid structures and also of topographic features on map viewing behaviour when learning object locations. The results (heatmaps) indicate specific patterns that show the relevance of grids and topographic elements as graphic features that support orientation in a map.

Public Art Map – Orte öffentlicher Kunst. Volunteered geographic information als praktizierbares Konzept thematischer Informationsakquise

Public Art Map – Art in public spaces. Acquisitions of data in the context of Volunteered geographical information

Ronny Schomacker, Eduard Gert, Jürgen Schweikart; Berlin

„User-generated content“ (UGC) bzw. bei geographischen Informationen „Volunteered Geographic Information“ (VGI) ist die Grundlage ausgewählter Internet-Applikationen. Diese leben von den Daten, die eine Vielzahl
von Nutzern zusammenträgt. Eine solche Anwendung ist die Plattform „Public Art Map“, die Kunst im öffentlichen Raum über eine Web-2.0-Kartenanwendung verstandortet. Es ist die erste Anwendung für Kunstinteressierte, die es erlaubt, Kunst im öffentlichen Raum nach Attributen geordnet zu lokalisieren. Ähnlich dem Prinzip von OpenStreetMap, wird der Kunst-Datensatz durch Nutzer aufgebaut, ergänzt und korrigiert. Das offene Konzept erlaubt es einerseits, den Katalog der Kunst im öffentlichen Raum mithilfe einer aktiven Gemeinschaft rasch zu entwickeln; andererseits ist der Anspruch an das Wissen der Nutzer eine Herausforderung, um die Qualität der Informationen zu gewährleisten. Auf einer dynamischen Karte im Internet werden die Kunstobjekte durch Punktsignaturen mit mehreren Informationsebenen visualisiert, die eine räumlich-thematische Recherche der Nutzer zulässt.

User-generated content (UGC) with regards to spatial information, known as volunteered geographic information (VGI), forms the basis for some internet applications. These systems are based on data provided by various users. One example of such an application is the “Public Art Map”, which localizes artworks in public spaces via a Web-2.0 map. It is the first application designed for art enthusiasts that allows art to be thematically localized in public areas. Similarly to OpenStreetMap, the contents of the programme are supplemented and edited by the users themselves. This open mapping approach allows the creation of a publicly available art catalogue that is based on community contributions. However, the accuracy of user-generated information in order to supply others with reliable data still remains a challenge. The “Public Art Map” uses multidimensional point symbols on a dynamic web map to enable users to explore the spatial-thematic content.

Gestaltung von Netzplänen im Öffentlichen Nahverkehr mit Kartenanamorphosen

Designing Public Transportation Network Maps with Anamorphism

Matheusz Czaja, Wrocław (Poland)

Ein Straßennetz sollte immer zusammen mit dem öffentlichen Verkehrsnetzwerk
dargestellt werden, um den Verkehrsnutzern die Reise durch die Stadt
zu vereinfachen (eine Ausnahme können hier die U-Bahn-Netzwerk-Pläne
sein). In diesem Projekt wird die „französische Art“ der Netzwerkdarstellung,
wie von Alastair Morrison beschrieben, verwendet. Eine anamorphologische
Verzerrung wurde hinzugefügt, um die am stärksten vernetzten Gebiete des
Straßenbahnnetzes in Breslau deutlich zu zeigen. Das Endergebnis, das als
„Breslauer Art“ der Netzwerkdarstellung bezeichnet werden kann, zeigt die
Innenstadt, in der fast alle Straßenbahnlinien zusammenkommen, in einer
Konvexlinsen-Vergrößerung. Ein solches Verfahren kann in der Darstellung
von komplexen Verkehrsnetzwerken auch in anderen Städten eingesetzt
werden, um die Lesbarkeit von besonders vernetzten Bereichen zu erhöhen.
Natürlich ist eine gute kartographische Handwerkskunst und Praxis immer
noch der Schlüssel zur erfolgreichen Erstellung von solchen Stadtplänen.
Dieses Projekt zeigt, dass in den heutigen modernen Städten noch viel kartographische
Arbeit durchgeführt werden kann. Dabei sind Stadtpläne die ästhetischen,
einfachsten und kostengünstigsten Mittel, um die öffentlichen Verkehrsnetzwerke
zu visualisieren.

The following essay is based on a master‘s thesis and corresponding map for
the city of Wrocław, Poland. After a review of the state of the art, it aims to
produce a quality, large format tram network map without using a schematic
map style and focusing on good aesthetics and mapmaking crafstmanship.
A novel feature of this map is the expanded (through anamorphism) city
center area. The outlined methodology could be named the “Wrocław-style”
of map design, which stretches congested parts of the map, while retaining
its street network intact. The project was created in the light of a shortage
of basic transportation maps in Poland. The thesis was defended at the
University of Wrocław, Institute of Geography and Regional Development,
Geoinformatics and Cartography department under the supervision of
Dr. Waldemar Spallek.

 

 

Die Entwicklung von auf Geodaten beruhenden Umweltbildungsmaterialien zur Sensibilisierung für das Kakamega-Nandi-Waldökosystem

Developing Environmental Education Tools Based on Geodata to Create Awareness for the Kakamega-Nandi Forests Ecosystem

Lisa Paul, Gertrud Schaab; Karlsruhe

Das Kakamega-Nandi-Waldgebiet in Westkenia hat über die vergangenen
100 Jahre 60 % an Fläche naturnaher Waldbedeckung verloren, dies durch
menschlichen Eingriff. Um bei der lokalen Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein
für die nachhaltige Nutzung des Waldes zu schaffen, wurden Umweltbildungsmaterialien
entwickelt. Die Materialien, u. a. ein Puzzle und ein Kartenspiel, sollten raumbezogene
Daten mit einsetzen, da Verständnis, wie man und was man aus Karten lesen kann, als
Voraussetzung in der Naturschutzplanung betrachtet wird. Es werden die unterschiedlichen
Materialien vorgestellt sowie der partizipative Ansatz zu deren Entwicklung, welcher
eine iterative Verbesserung der Prototypen ermöglichte.

Over the last 100 years the Kakamega-Nandi forests area, western Kenya,
experienced a loss of about 60 % in natural forest cover due to human interferences.
In order to create awareness for sustainable forest use among the
local population, tools for environmental education have been developed.
The tools, here among others a jigsaw puzzle and a card game, aim at
making use of geospatial data because map reading literacy is considered a
prerequisite in any natural resource management and planning. The tools
are introduced as well as the chosen participatory approach, which allowed
enhancement of prototypes in an iterative manner.